Komm auf meine Couch

 

Die Ferienzeit nähert sich, aber nicht jeder besitzt das nötige Kleingeld für Reisen in ferne Gefilde. Wer trotzdem nicht darauf verzichten möchte, die weite Welt zu erkunden, sollte es einmal mit "Couchsurfen" versuchen.
„Ohje, das ist ja schwieriger, als eine Suche nach einem Job“, stöhnt Ulrike enttäuscht, nachdem die Tirolerin nun von unserer dritten Absage erfährt. Mehrere Anfragen waren nötig, bis Lili aus Budapest meine Freundin und mich wie selbstverständlich zu sich einlud. Die 23-Jährige hatten wir über die Internetseite www.couchsurfing.org kennen gelernt und nach nur einer Mail stand das Angebot, vier Tage bei der fröhlichen Studentin zu verbringen, fest. Zahlreiche positive Referenzen ließen anfängliche Unsicherheit schnell verfliegen.
Allein die Zugfahrt in die Donaumetropole war schon spannend, als wir – nur bewaffnet mit einem groben Stadtplan und einer kurz gefassten Wegbeschreibung in brüchigem Englisch zu Lilis Wohnung – ankamen und erst einmal die Straßenbahn in die falsche Richtung nahmen. Doch trotz allem fanden wir schnell zum Ziel, auch wenn wir als Couchsurfer-Neulinge sowohl neugierig, aber auch aufgeregt die Klingel drückten. „I’m so happy that you found the way to home”, wurden wir schon enthusiastisch an der Haustür begrüßt. Das quirlige Mädchen mit der Vorliebe für außergewöhnliche Ohrringe und der Farbe grün lebt am Stadtrand im neunten Stock eines Plattenbaus. Von nun an wurde ihr geräumiges Wohnzimmer für vier Tage unser Zuhause. Mit unserer ersten Gastgeberin hatten wir einen wahren Glücksfall erwischt, da uns Lili neben Klappsofa sogar Kühlschrank, Dusche und Internet zur Verfügung stellte. Sie selbst bietet ihre vier Wände schon fast ein Jahr Fremden an. Gleich am ersten Abend wurden wir zunächst bekocht und anschließend stolz Freunden vorgestellt, die sich sofort neugierig um uns scharrten und uns zusätzlich mit Vorschlägen für unvergessliche Erlebnisse versorgten. Ganz automatisch erhielten wir durch Gespräche einen kleinen Einblick in die Lebensweise der jungen Ungarn. Nach ausgiebigen Touren durch die Stadt endeten die aufregenden Tage stets mit langen Gesprächen. Es ist der Austausch, von dem das Netzwerk www.couchsurfing.org lebt. Allgemein dient die 1999 vom US-Amerikaner Casey Fenton gegründete Plattform also dazu, dass sich Reiselustige aus aller Welt nach einer kostenlosen Anmeldung gegenseitig besuchen. Es geht aber nicht nur darum, Übernachtungskosten zu sparen. Die Mitglieder suchen auch eine persönliche Nähe zur fremden Kultur, die Hotels nicht garantieren können. Dabei bleibt jedem Einzelnen selbst überlassen, ob er seine vier Wände anderen anbietet, selbst nur Unterschlupf sucht oder sich nur auf einen Kaffee mit den Weltenbummlern trifft. Im Nachhinein werden Bewertungen geschrieben, die einem die Auswahl der zukünftigen Übernachtungsmöglichkeit erleichtert. Wir jedenfalls bereuen unser Abenteuer nicht, sondern empfehlen, die große weite Welt ebenfalls auf unbekannten Couchen zu erkunden. Lili hat es übrigens kurz nach unserem Besuch nach Israel verschlagen. Ihre Übernachtungsmöglichkeit? Da muss man nicht lange überlegen…
 
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Tizzy-Awesome
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(majdnem 2 éve)

 
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